* 28. Oktober 1838
Limburger Kaufmann
Initiator des Aufbaus des Raphaelsvereins in Deutschland zum                Schutz katholischer deutscher Auswanderer
Mitbegründer der ersten Limburger Tageszeitung
Förderer der idealen und wirtschaftlichen Interessen Limburgs
von 1885 an 30 Jahre Mitglied des Preußischen Landtags
von 1898 bis 1903 Reichstagsabgeordneter
Ehrenbürger der Stadt Limburg
+ 23. Dezember 1923

 

Peter Paul Cahensly

wurde am 28. Oktober 1838 in Limburg geboren. Er besuchte die Realschule und später das Gymnasium in Trier, um anschließend eine kaufmännische Lehre in Köln zu absolvieren. Eine weitere Ausbildung schloss sich in Le Havre an. Dort erschloss sich ihm sehr schnell die große Not der über diese Hafenstadt auswandernden Landsleute, die unter schlechtesten Bedingungen in die Neue Welt fuhren. Dieser Aufenthalt in Le Havre wurde für sein ganzes Leben prägend.
Als im Jahre 1865 ein Dreimaster, der von Antwerpen ausgelaufen war, mit 438 deutschen Auswanderern an Bord, auf hoher See in Flammen aufging und einige Gerettete von den skandalösen Zuständen auf diesem Schiff berichteten, setzte er seine ganze Tatkraft für eine Änderung und Besserung der Verhältnisse der Auswanderer ein. 1868 beteiligte er sich maßgeblich an der Gründung des Auswandererschutz-Komitees in Bamberg, der erste Baustein des späteren St. Raphael-Vereins (Erzengel Raphael, der biblische Beschützer der Reisenden und Fremden).
Als er 1868 nach dem Tod seiner Mutter, die in Limburg nach dem Tod ihres Ehemannes den Kolonial-, Eisen-, Kurz- und Farbwarenhandel weitergeführt hatte, das Geschäft übernahm, baute er dieses erheblich aus. Er genoss hohes Ansehen und wurde im Lauf der Zeit in den Gemeinderat, Stadtrat und Abgeordnter.
Auf dem Katholikentag 1871 gelang es endlich, den St. Raphaelverein zum Schutz der katholischen Auswanderer aus Deutschland zu gründen. Dieser Verein wurde aber erst durch den neuen Papst Leo XIII am 9. Juli 1878 anerkannt. 1887 reiste Cahensly in die Vereinigten Staaten und blieb mehrere Monate dort. Dort gründete es das erste Heim für deutsche Auswanderer, das Leo-Haus. Er nannte es so, da Papst Leo mit einer privaten Spende von 50 000 Dollar den Bau dieses Hauses unterstütze. Heute ist dieses Haus eine Aufenthaltsmöglichkeit für ausländische Reisende aller Religionen, Immigranten und Pflegebedürftige, die durch Lehrer, Krankenschwestern und Therapeuten betreut werden können. Es ist das einzige Haus dieser Art in den Vereinigten Staaten.
Peter Paul Cahensly wurde es mit der Gründung des Raphaelvereins in Deutschland wie in den USA nicht leicht gemacht. Man missverstand seine Ziele: Die Auswanderer galten als vaterlandslose Gesellen und Verräter an der Nation und in den USA sah man die nationale Einheit gefährdet, da Cahensly den deutschen Einwanderern dort ihre eigene Sprache in eigenen Gemeinden mit deutschen Schulen und Priestern, ermöglichen wollte. Der Kardinal von Baltimore sprach es aus: «Wenn die Deutschen bekommen, was sie wollen, werden andere Nationalitäten ähnliche Privilegien fordern, und wir werden vor einem Krieg der Volksgruppen stehen.» Amerika hatte sich zu dieser Zeit in einem Sprachenstreit entzweit: Englisch oder Deutsch?